Signa denkt groß – auch am Wolfsburger Nordkopf?

Wolfsburg.  Bekommt Wolfsburg eine „Downtown“ am Nordkopf? Entwickler Signa hat Erfahrung und denkt groß. Auch die Idee eines Markenmuseums gibt es.

Mit dem Elbtower an den Hamburger Elbbrücken soll Signa das Qartier zusätzlich aufwerten.

Mit dem Elbtower an den Hamburger Elbbrücken soll Signa das Qartier zusätzlich aufwerten.

Foto: Signa Chipperfield Architects

Es darf geträumt werden in Wolfsburg. Am Nordkopf könnten die Büro- und Wohntürme in den nächsten Jahren nämlich förmlich in den Himmel wachsen. Mit dem neuen Quartier wird – wenn nichts Gravierendes dazwischenkommt – städtebaulich ein Quantensprung vollzogen. Aus der trotz einiger architektonischer Leuchttürme immer noch industriell geprägten Konzernhauptstadt von Volkswagen könnte „New Wolfsburg“ werden – und damit eine Stadt, die Tradition und Zukunft versöhnt. Jene, die es anpacken sollen, können es. Das beweist Projektentwickler Signa aus dem Hause des österreichischen Selfmade-Milliardärs Rene Benkö nahezu ständig und überall auf der Welt.

Was groß denken bedeutet, könnten die Wolfsburger beispielsweise an einem Projekt in Hamburg bestaunen. Ein, zwei Nummern kleiner könnte es auch in Wolfsburg kommen – wenn man nämlich Elbphilharmonie durch Phaeno und Elbtower durch VW-Markenmuseum ersetzen würde. Den 244 Meter hohen Elbtower mit Aussichtsterrasse entwickelt Signa, weil der Stadtentwickler HafenCity Hamburg sich das für ein funktionierendes Quartier so wünscht. In Wolfsburg könnte das ein längst überfälliges attraktives Markenmuseum sein.

Der architektonische Quartier-Gedanke setzt zwingend eine Mischnutzung voraus: Handel, Freizeit, Büros, Hotel, Wohnen sowie Mobilitäts- und Digitallösungen sind schon fest in das Wolfsburger Entwicklungsmodell eingeplant. Larsen Architects und Gehl Architects wissen genau, welche Trends weltweit und in wesentlich größeren Städten als Wolfsburg angesagt sind. Doch von einem Standortnachteil kann keine Rede sein. In Ulm beispielsweise, einer Stadt von der Größe Wolfsburgs (rund 125.000 Einwohner), nimmt ein Investor gerade 250 Millionen Euro in die Hand, um das Projekt Sedelhöfe zu stemmen. Dabei gilt die Stadt in Baden-Württemberg eher als B-Standort. In der VW-Hauptstadt kursieren wesentlich höhere, wenngleich nicht bestätigte Zahlen.

Und tatsächlich: Die verheißene „Stadt der Zukunft“ muss tatsächlich ein großer Wurf werden. „Für Wolfsburg und Volkswagen ist der Erfolg dieses Plans durchaus eine existenzielle Frage“, urteilt die Immobilienzeitung. Das mag sich dramatisch anhören, stimmt aber. Volkswagen baut eine eigene Car-IT auf und braucht dafür Tausende neuer Softwareentwickler zusätzlich. „Fachkräfte achten mehr denn je auf ein attraktives Lebensumfeld. Wolfsburg hat bereits viel zu bieten, doch im Wettbewerb mit starken Metropolen um die besten Köpfe gilt es, noch besser zu werden“, hat Konzern-Personalvorstand Gunnar Kilian mehrfach betont. Auch für den Vertrieb, der eigentlich einen Neubau in Fallersleben beziehen sollte, sucht der Autobauer nun neue Büros. Warum nicht am Nordkopf?

Die gesuchten zusätzlichen Software-Entwickler und Mobilitätsexperten sollen in Berlin und Wolfsburg für den Konzern arbeiten. Sie werden nicht alle in der IT-City unterkommen. Klar ist aber, dass das Umfeld am Nordkopf stimmen muss, um die begehrten Fachkräfte nach Wolfsburg zu locken. Der Quartiers-Mix muss stimmen. Zur Auflockerung könnte auch das von Konzernchef Herbert Diess angekündigte Markenmuseum erheblich beitragen. Es wird sicherlich einen gänzlich anderen Ansatz als das Zeithaus der Autostadt oder des Automuseums in der Dieselstraße verfolgen.

Aber mit einer Mischung aus den automobilen Schätzen des Museums und dem übergreifenden konzeptionellen Ansatz der Autostadt könnte am Nordkopf ein echter Publikumsmagnet mit Strahlkraft entstehen.

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