Gifhorn 2030: Im autonomen Minibus zum Bahnhof fahren

Gifhorn.  Die landesweit erste Dialogwerkstatt zur Zukunft der Stadt fand wegen Corona also Videokonferenz statt. An guten Ideen sprudelte es trotzdem...

Gifhorn 2030 – Wie wollen wir leben? Antworten auf diese Fragen gaben am Mittwochabend Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich, Landtagsabgeordnete Imke Byl (Bündnis 90/Die Grünen), Philip Knotz (Fridays For Future Gifhorn), Gerrit Gebauer (Wirtschaftsjunioren) und der Landtagsabgeordnete Philipp Raulfs (SPD). Durch die Online-Diskussion führte Moderatorin Anna-Katharina Thiel (Eine-Welt-Promotorin). 

Gifhorn 2030 – Wie wollen wir leben? Antworten auf diese Fragen gaben am Mittwochabend Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich, Landtagsabgeordnete Imke Byl (Bündnis 90/Die Grünen), Philip Knotz (Fridays For Future Gifhorn), Gerrit Gebauer (Wirtschaftsjunioren) und der Landtagsabgeordnete Philipp Raulfs (SPD). Durch die Online-Diskussion führte Moderatorin Anna-Katharina Thiel (Eine-Welt-Promotorin). 

Foto: Dirk Kühn

„Gifhorn 2030 – Wie wollen wir leben?“ Auf diese Frage antwortete Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich prompt: Er möchte auch 2030, wenn er aus der Tür in die Fußgängerzone geht, sagen: „Ich wohne hier gut und ich wohne hier gerne.“ Er begegnet Menschen in der Fußgängerzone, geht über den Wochenmarkt, kauft lieber einen Apfel aus dem Alten Land statt einen Apfel aus Neuseeland, und sagt: „Lieber Wochenmarkt statt Weltmarkt.“ Er steigt in einen von der IAV entwickelten autonomen Kleinbus und fährt zum Bahnhof, wo die Regionalbahn nicht wie ab Mitte Dezember im Stundentakt, sondern im 30-Minuten-Takt fährt. Nicht zu vergessen: Auf dem ehemaligen BGS-Gelände gibt es ein Hochschulangebot und bei Conti-Teves werden Bremsen für die Fahrzeugproduktion in Wolfsburg gebaut.

„Gifhorn 2030 – Wie wollen wir leben?“ Das war auch das Leitmotiv der landesweit ersten Dialogwerkstatt des Projekts „Weltwechsel Niedersachsen – Gemeinsam Welt gestalten“ des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen, ein 1991 gegründetes, unabhängiges Netzwerk von über 140 Nichtregierungsorganisationen, Initiativen und Weltläden. Landesweit finden mehr als 50 lokale Veranstaltungen in 18 Städten und Kommunen statt, die von 40 Vereinen und Initiativen organisiert werden. In Gifhorn gehören das lokale Fridays-for-Future-Bündnis sowie Nicole Wokenfuß (Bündnis 90/Die Grünen) zu den Initiatoren.

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die eigentlich in der Gifhorner Stadthalle geplante Veranstaltung kurzfristig ins Netz verlegt werden. Via Zoom waren mehr als 40 Interessierte dabei. Neben Nerlich stimmten auch Eingangsstatements der Landtagsabgeordneten Imke Byl (Bündnis 90/Die Grünen) und des Landtagsabgeordneten Philipp Raulfs (SPD), Wirtschaftsjunior Gerrit Gebauer und Philip Knotz (Fridays For Future) auf das Thema ein.

Imke Byl beispielsweise wünschte sich Klamotten-Tausch-Börsen und Reparatur-Cafés, mehr Nachbarschaftshilfen und Quartierarbeit, Parks statt Parkplätze. Gifhorn 2030 soll eine soziale und klimaneutrale Stadt sein sowie ein große Vorbild in Sachen Energiewende. Da sollte mit möglichst vielen Solaranlagen auf Gifhorns Dächern ein deutliches Zeichen gesetzt werden.

Dass das nicht ganz unproblematisch ist, verdeutlichte Nicole Wockenfuß in der Diskussion. Sie verwies auf die aktuelle Gesetzgebung und die Bürger-Energie-Gemeinschaft Gifhorn. Das Energie-Einspeisungs-Gesetz (EEG) habe dazu geführt, dass sich solche Anlagen nicht mehr rechnen. Byl sprach von zu vielen Hürden, zu viel Bürokratie. Deshalb steht für sie an erster Stelle: Die Energiewende muss wieder ermöglicht werden, das EEG entsprechend geändert. Wockenfuß machte sich dafür stark, dass auch die Gebäude in der Fußgängerzone für Solaranlagen genutzt werden sollten.

Philip Knotz stellte die kleinen Möglichkeiten in den Vordergrund, die jeder selbst in der Hand hat: Er kaufe bei Mutter Grün und im Weltladen ein, verzichtet auf ein Auto und fährt Rad. Von der Wirtschaft wünscht er sich nachhaltiges Handeln, von der Politik mehr Partizipation beispielsweise durch Jugendparlamente. Phillip Raulfs möchte das Gifhorner Behörden-Haus für Start-up-Unternehmen nutzen und sieht in der Mobilität ein wichtiges Thema.

Anja Schubert, Geschäftsführerin von Mutter Grün, berichtete von ihren Erlebnissen als neue E-Auto-Besitzerin. Es gebe zu wenig Ladestationen in Gifhorn, die Bedienung sei schwierig, das Handling bis hin zur Abrechnung „ein Albtraum“. Sie habe mittlerweile zehn Apps auf dem Smartphone. Da gebe es viel Nachholbedarf. Ralf Richter wünschte sich einen Nachhaltigkeitsatlas, Ingo Dettmer (Stellwerk) ein Sozialticket zur Nutzung des ÖPNV.

In drei Arbeitsgruppen vertieften die 44 Teilnehmer die Diskussion, nach zweistündiger Videokonferenz war die Ideenliste lang. Organisatorin Anna-Katharina Thiel, Eine-Welt-Promotorin, freute sich über das Ergebnis. Imke Byl ergänzte: „Eine richtig gute Beteiligung, coole Runde, tolle Ideen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder